Medizinische Universitätsklinik Bochum

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Zentrum für familiären Darmkrebs Dr. med. Steckstor/ Herr Pospiech

Früherkennung bei erblichem Darmkrebs

Bochum, 14.12.2009

Früherkennung bei erblichem Darmkrebs
Jährliche Darmspiegelung verbessert Heilungschancen

Bochum – Darmkrebs ist mit 73.000 Neuerkrankungen die zweit-häufigste Krebsart in Deutschland. Etwa drei Prozent dieser bösartigen Darmtumoren sind erblich bedingt. Diese Krebsform wird erbliches kolorektales Karzinom ohne Polyposis (HNPCC) oder auch Lynch-Syndrom genannt. Personen mit einer solchen genetischen Veranlagung haben ein Risiko von bis zu 80% eine Krebserkrankung zu entwickeln. Ein Forschungsverbund mit Beteiligung der Ruhr-Universität Bochum, konnte jetzt zeigen, dass durch ein engmaschiges Früherkennungsprogramm Darmkrebs früh erkannt wird und dadurch eine wesentlich bes-sere Prognose erreicht werden kann.

Erblicher Darmkrebs ist auf Mutationen im Erbgut zurückzuführen, die an die Nachkommen weitergegeben werden können. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erkranken die Träger dieser fehlerhaften Gene im Laufe ihres Lebens an Darmkrebs – häufig noch vor dem 50. Lebensjahr. Auch das Risiko für verschiedene andere Tumoren ist erhöht. Bislang sind vier so genannte Reparaturgene bekannt, deren Veränderungen für die Entstehung von HNPCC verantwortlich sind. Diese Gene haben die Aufgabe, Fehler in der Erbsubstanz zu erkennen und zu korrigieren. Funktioniert diese Reparatur nicht, kön-nen Tumoren entstehen.

Die Forscher im Verbund untersuchten im Rahmen einer Studie mehr als 1.100 Hochrisiko-Patienten für HNPCC. Über einen Zeitraum von durchschnittlich drei Jahren wurde der Darm aller Studienteilnehmer jährlich gespiegelt. Die Ergebnisse der Langzeitstudie wurden jetzt in der Zeitschrift Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffent-licht. Der einjährige Abstand zwischen den Untersuchungen erwies sich gegenüber längeren Untersuchungs-Intervallen als eindeutig überlegen. Die Autoren empfehlen daher Hochrisiko-Patienten für HNPCC, jährlich Darmspiegelungen vornehmen zu lassen, weil dies die Heilungschancen verbessert.

Bei der Darmspiegelung entfernen die Ärzte gutartige Vorstufen von Darmkrebs. Auch die von Krebs bedrohten anderen Organe werden überwacht. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir bei Patienten mit einem hohen individuellen Risiko durch engmaschige Früherkennungssitua-tion Tumoren in einem frühen und damit heilbaren Stadium entde-cken können. Durch einjährige Intervalle bei diesen Hochrisiko-Patienten erreichen wir eine Stadienverteilung, die dem der Allge-meinbevölkerung mit der Vorsorgekoloskopie in 10-jährigen Abstän-den gleicht. Es ist uns somit möglich durch eine engmaschige Über-wachung Leben zu retten“, sagt Professor Wolff Schmiegel. Er ist stellvertretender Sprecher des Verbundes und Direktor der Medizini-schen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus Bochum und der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Universi-tätsklinikum Bergmannsheil Bochum. Weitere Beteiligte RUB-Institutionen sind die Abteilung für Molekulare Humangenetik (Prof. Epplen) und das Institut für Pathologie (Prof. Tannapfel).

Das Zentrum für Familiären Darmkrebs der Ruhr-Universität Bochum wird seit 1999 durch die Deutsche Krebshilfe gefördert und ist Stand-ort der Referenzgastroenterologie des Forschungsverbundes.

In diesem Rahmen entstand im Forschungsverbund die weltweit größte und am besten charakterisierte Patientenkohorte mit dem sel-tenen erblichen Darmkrebs. Die Teilnehmer werden von einem inter-disziplinären Team aus Ärzten und Wissenschaftlern kompetent be-raten und betreut. Beteiligt sind neben Bochum fünf weitere Universi-täts-Standorte in: Bonn, Dresden, Düsseldorf, Heidelberg und Mün-chen/Regensburg. Eine Dokumentationszentrale in Leipzig und eine Referenzpathologie in Bonn ergänzen den Verbund.

Kontakt:
Prof. Dr. med. W. Schmiegel
Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Universitätsklinik
Knappschaftskrankenhaus
In der Schornau 23-25
44892 Bochum
Tel: 0234/299-3401
FAX: 0234/299-3409
e-mail: meduni-kkh@rub.de
Webseite des Zentrums für Familiären Darmkrebs der RUB
Literatur:
Engel C et al.: Efficacy of annual colonoscopic surveillance in individuals with Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer. Clinical Gastroenterology and Hepatology (2009), doi: 10.1016/j.cgh.2009.10.003

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